• Sara

Anderes Pferd - gleiche Chancen?

Manchmal muss man sich die simpelsten Dinge wieder und wieder vor Augen führen und in sich hinein horchen. Manchmal muss man sich eingestehen dass man nicht immer alles haben kann und manchmal, muss man auch einfach nur zuhören um zu wissen was das Beste ist. Iris lehrt mich jeden Tag aufs Neue zuzuhören, Dinge zu hinterfragen und auch einfach mal Konzepte über den Haufen zu werfen. Ich plane und organisiere gerne. Ich strukturiere mir gerne alles perfekt in den unterschiedlichsten Notizheften um hinterher einem klaren Faden zu folgen. Doch gerade bei der Arbeit mit Tieren geht das nicht immer. Bei der Arbeit mit Pferden habe ich gelernt, mich vor allem auf mein Bauchgefühl und spontane Instinkte zu verlassen. Doch das fällt nicht immer so leicht, wenn man ganz genaue Vorstellungen hat. 


Mit Starlight lernte ich den Einstieg in die Bodenarbeit - einer ganz neuen Welt. Wir lernten beide viel voneinander, auch heute noch. Er liebte all das in der Bodenarbeit, was Iris heute nicht perfekt beherrscht und auch nicht beherrschen muss. Die 7 Spiele Parelli’s, Seitengänge, Stangenarbeit und Gymnastik. 

Als ich an dem Punkt an dem ich mit Starlight aufhörte, bei Amica weiterarbeiten wollte, sah die Realität ganz anders aus. Kein Reiten, kein Spazieren, nur kurzes Führtraining. Jeder Besuch bei ihr stellte mich vor Herausforderungen und spontane Ideen, da half kein strukturierter Trainingsplan. Den warf sie nämlich jedes Mal über den Haufen. Sieben Monate lang. Amica gab mir die Chance ihr Selbstbewusstsein und Vertrauen gegenüber Menschen zu stärken und auch ich wuchs enorm an ihr. Während wir daran arbeiteten 500m ohne Luftsprünge und Losreißen zu meistern, gab Lotta mir später wiederum ganz neue Möglichkeiten. 

Das kleine Connemara Pony ermöglichte es mir Dressur zu reiten, Auszureiten, Bodenarbeit und vor allem Freiarbeit zu machen, mit der Doppellonge zu arbeiten.. die komplette Ausbildung eines jungen Pferdes. 

Doch auch dies zerschlug sich und ich lernte Iris kennen. Ich war voller Motivation und Tatendrang, bei ihr all die Dinge die ich bei den anderen Dreien lernte durfte, anzuwenden. Doch spielt Iris da mit? Langsam lernten wir uns kennen und lieben möchte ich sagen. 

Schnell merkte ich wie sehr sie sich bemüht, allen Anforderungen des Menschen gerecht zu werden. Sie versucht stets meine Vorstellungen umzusetzen, auch wenn es nicht das ist was sie braucht. Lange war es mein Traum mit einem Pferd die Zirzensik und imposante Kunststücke wie das Kompliment oder Steigen auf Kommando zu erarbeiten. Wenn es mit der einen Reitbeteiligung nicht klappte dachte ich bei mir, dass das neue Pferd die perfekte Chance sei und es bei diesem klappen würde. Jedes Mal dachte ich so. Ich bin mir sicher, dass Iris es versuchen würde, doch muss ich das wirklich von ihr verlangen? Auch Dressur Arbeit auf dem Platz würde sie versuchen, doch die Dinge die ihr wirklich Spaß machen sind andere. Auch wird sie niemals Stangen / Äste / etc. mit Freudensprüngen überwinden. Die Dinge die ihr Spaß machen sind entspannte Ausritte, Spaziergänge zu zweit, ruhige Bodenarbeit, Freiarbeit und natürlich der spanische Schritt ;). Sie liebt es belohnt zu werden und ihre Arbeit richtig zu machen. Einfach unbeschwerte Zeit miteinander zu verbringen. Auf fließende und perfekt ausgeführte Bewegungen der Hinterhand so wie bei Starlight, brauche ich nicht hin zu arbeiten. Die Ausbildung eines Jungpferdes ist mit ihr logischerweise genauso unrealistisch wie regelmäßiges Dressur / Spring Training. 


Wenn ich mich wundere dass sie so viel stolpert und nicht mehr den Körper eines jungen Sport Pferdes hat, muss es bei mir im Kopf manchmal erst Klick machen bevor ich wieder der Realität ins Auge schaue. Iris ist alt, sie ist 30 Jahre alt. Es ist sowieso schon unglaublich wie fit sie noch ist! 

Ja ich verzichte auf Dressur / Spring Training, ich verzichte auf imposante Kunststücke und Dinge die ich mit anderen Pferden erreichen konnte. Aber das ist überhaupt nicht schlimm. Die Maus gibt mir im Gegenzug so viel. Ein Herz und einen Charakter, den ich bisher bei keinem anderen Pferd erlebt habe. 

Als ich die letzten Tage im Stall war, mich mit Starlight und Iris beschäftigt habe, ist mir das mal wieder klar geworden. Die beiden sind völlig verschieden.

Jedes Pferd bietet unterschiedliche Chancen und Möglichkeiten, da jedes Pferd einzigartig und individuell ist. Die einzige Arbeit die bei jedem Pferd die gleiche ist und am aller meisten Spaß macht ist doch, den Charakter des Pferdes kennen und verstehen zu lernen. 

Ich werde mir für Iris und mich keine großartigen Ziele mehr setzen und ich werde versuchen ihr immer die Möglichkeit zu geben, unseren Alltag mitzugestalten. Wenn man nämlich nur gut genug hinschaut, sieht man sehr wohl wie sie dies stets versucht. 

Das Stangentraining mache ich nicht mehr mit dem Ziel, ihre Angst völlig zu verbannen sondern viel mehr, den gymnastikzierenden Effekt dahinter zu nutzen und ihr natürlich auch alltägliche Situationen zu erleichtern, wenn sie nicht mehr vor jedem kleinen Ast einen Bogen machen muss. 


Es ist schlicht weg gesagt auch einfach viel entspannter und freudiger an das Zusammensein mit einem Tier heranzugehen, ohne sich strikte Ziele zu setzen die erreicht werden müssen. 

Wir sind glücklich, wenn wir unbeschwerte Zeit miteinander verbringen, etwas herum spielen können und mit uns selbst im Reinen sind.

Ich denke das jeder der mit mehr als einem Pferd gearbeitet hat, diesen Konflikt kennt. Man ist frustriert, zweifelt an sich selbst und steckt sich immer höhere Ziele. Nur weil man von dem einen Pferd verlangt, was das Andere schon perfekt kann. 

Ich freue mich auf die zukünftige Zeit mit Iris und bin neugierig, was uns noch alles erwarten wird..

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