• Sara

Click & Treat - der Selbstversuch

Ich muss sagen ich war irgendwie immer ein Gegner vom Clickern, ich hatte es zwar noch nicht direkt ausprobiert aber es reizte mich auch nie.. Irgendwie war mir das alles zu mechanisch, zu viel Manipulation und Konditionierung. Am vergangenen Wogenden hatte ich wieder ein Seminar des Pferdeverhalten - Studiums und der Fokus lag zufälligerweise auf der klassischen Konditionierung und der Nutzung des Clickers. Tatsächlich war ich aber gar nicht genervt davon sondern habe mich gefreut, da ich so gezwungen war mich endlich mal wirklich mit diesem Thema auseinander zu setzen ;) 

Wir starteten im Selbstversuch: Es wurde immer eine Person aus unserer Seminar Gruppe aus dem Raum geschickt und wir Anderen überlegten uns eine Aufgabe, die diese Person bewältigen sollte. Diese würde nur über ein Finger Schnipsen (anstatt des Clickers) erklärt werden, ohne zu sprechen. Meine Dozentin erklärte es, wie ich finde sehr anschaulich, wie folgt: Clickern hat das selbe Prinzip wie das Spiel Topfschlagen - der Click bedeutet „heiß“ also der Schritt in die richtige Richtung, nichts tun bedeutet „kalt“. 

Nun war es für uns Menschen natürlich einfacher da wir uns mündlich darauf einigen konnten das der Click den Schritt in die richtige Richtung bedeutet, das Pferd (oder jedes andere Tier) muss hingegen erst einmal begriffen haben was der Click bedeutet. Daher würde man an dieser Stelle mit einer klassischen Konditionierung des Clicks, üblicherweise zusammen mit einem Leckerchen, beginnen: mit jedem Leckerchen (für das das Pferd dann übrigens rein gar nichts tun soll!) gibt es einen Click, so verknüpft es diese beiden Dinge miteinander und in späteren Schritten kann der Click als Versprechen für eine baldige Belohnung (Beispiel Leckerchen) nach der Übung genutzt werden. 


Folgende Aufgaben sollten u.a. im Selbstversuch bewältigt werden: 


1. einen bestimmten Weg durch den Raum zu einem bestimmten Tisch gehen, die Tischdecke herunter nehmen, falten und auf einen anderen, festgelegten, Tisch ablegen.


Die Versuchsperson konnte den Weg zum Tisch leicht finden da wir Anderen jeden ihrer Schritte Richtung Tisch schnipsten. Dort angekommen kam sie auch schnell auf die Idee das es sich um die Tischdecke handeln musste, nachdem sie diese aber in der Hand hielt sah man die Überforderung und Frustration in ihrer Mimik. Unsicheres Lachen, hochgezogene Augenbrauen, fragender Blick, in Falten gelegte Stirn. Sie brauchte einige Sekunden um auf die Idee zu kommen die Decke zusammen zu falten (auch wenn es eher ein zusammen knuddeln war was wir an dieser Stelle aber durchgehen ließen) - das Ablegen auf den anderen Tisch erschien ihr dann wieder logisch da es ganz schnell ging. Es war super spannend zu sehen was in diesem Moment in ihr vor sich ging und welche Emotionen hoch kamen als sie absolut nicht verstand was sie mit der Decke tun sollte. Sie kam zunächst überhaupt nicht auf die Idee die Decke zu falten da dies offensichtlich nicht ihrem Erfahrungsschatz zugrunde liegt, da es scheinbar keine Tätigkeit ist die sie zu Hause oft ausübt. 


Bezug zum Pferd: Unseren Pferden geht es genau so. Beispielsweise einen Ball an zu stupsen gehört absolut nicht in ihr natürliches Verhaltensmuster und ergibt daher auch keinerlei Sinn für sie. Ob und wann Pferde überhaupt auf die Idee kommen den Ball weg zu bewegen, hängt von ihrem individuellen Charakter ab, wie neugierig oder verspielt sie beispielsweise sind, aber vor allem auch von ihrem Erfahrungsschatz und ob sie diesen Bewegungsablauf kennen. Es lehrt uns also geduldig mit unseren Pferden zu sein, sie überlegen zu lassen und erlaubt uns ihnen eventuell einen Stups in die richtige Richtung zu geben, durch locken beispielsweise. 


2. einen festgelegten Weg durch den Raum gehen, ein bestimmtes Buch vom Tisch nehmen, über einen festgelegten Weg zu dem anderen Tisch gehen, sich dort auf einen bestimmten Stuhl setzen und das Buch aufschlagen.

Die Versuchsperson verrannte sich gleich zu Beginn an einem Punkt im Raum noch vor dem Tisch, und dachte dort stehen bleiben zu müssen weil sie nicht auf die Idee kam näher an den Tisch heran zu treten. Sie griff dermaßen auf ihren Erfahrungsschatz zurück das sie nicht mehr von der Stelle kam und sich sichtlich auf diesen einen Punkt im Raum fokussierte. Sie tanzte auf der Stelle, hob die Arme in alle Richtungen aber wich bloß nicht von diesem Platz, weil sie stetig daran denken musste wie sich eine andere Versuchsperson (ich) zuvor mit ausgestreckten Armen drei Mal um sich selbst drehen musste. 


Bezug zum Pferd: Genau da selbe sieht man oft bei Pferden. Man will etwas Neues mit seinem Pferd beginnen, was es logischerweise noch nicht kennt, folglich wird es oft unsicher. Also bietet das Pferd alles Mögliche an was es bereits gelernt hat und ist kaum noch zu bremsen. Das habe ich gerade mit meinem Pflegepferd Iris noch erlebt: Sie sollte lernen seitwärts auf mich zuzukommen und bis sie auf diese Idee kam, lief sie vor und zurück, seitwärts in die andere Richtung, machte den spanischen Gruß, etc. - sie griff auf ihren Erfahrungsschatz zurück und hoffte irgendetwas sei dabei was mir gefällt. An solch einer Stelle ist es oft wichtig eine Pause zu machen und noch mal auf Anfang zu gehen, den Kopf wieder offen für Neues zu machen.  



Am nächsten Tag clickerten wir dann auch mit den Pferden.. und Manni dem Esel :D 

Hier wurde dann noch mal deutlich wie wichtig einfach ein exaktes Timing ist! Kommt der Click auch nur eine Sekunde zu spät oder zu früh, fixiert man das Tier auf eine andere Bewegung, zum Beispiel statt einen Piloten oben an der Spitze zu berühren, eher an der Seite zu berühren oder sogar den Piloten umzustoßen. 

Spätestens ab dem zweiten Tag war ich überzeugt. Ich war immer der Meinung das es doch Quatsch sei einen immer exakt gleichen Ton zu brauchen, ein Lobwort würde es doch auch tun. Aber ich muss eingestehen das der Clicker einfach noch effektiver und effizienter ist! Bei einem verbalen Lob spielen nun mal immer Emotionen mit rein ohne das man es immer 100% kontrollieren kann. Auch eine Kraul-Einheit wird nie die exakt gleiche Intensität oder Stelle gewährleisten können. 

Ich werde jetzt nicht nur noch ausschließlich mit Clicker trainieren, aber für Tricks oder Angstbewältigung finde ich ihn wirklich super!

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