• Sara

Der erste Ritt

(7.Tag 31.05.)

Nachdem ich heute Mittag schon einen Bericht über heute fertig geschrieben hatte und mit Mühe und Not ein bisschen vom drum herum hier erzählt habe, bin ich heute Nachmittag überraschenderweise auf dem Pferd gelandet, daher musste jetzt noch mal alles umgeschmissen werden. Denn davon zu berichten ist nun wirklich spannender als die Wetterverhältnisse und ein noch nicht mal gefestigter Tagesablauf...

Heute Früh habe ich mich mit Grammy, einem 22 jährigen Tinker-Araber mix an der Hand beschäftigt. Eine interessante und für mich völlig neue Kombi, aber er hat wirklich das Beste von beiden Rassen abbekommen. Die kompakte Statur eines Tinkers, dennoch schlank wie ein Araber. Gutmütig und entspannt wie ein Tinker und flink und klug wie ein Araber. Und obwohl er mit Arthrose und anderen Geschichten zu kämpfen hat, hatte er einen super Tag heute. Ich habe ihn geführt, rückwärts Richten ganz leichtfüßig, Trab, sogar Seitengänge und freies Folgen. Wenn ich einmal zu lange Pause gemacht habe wurde er gleich etwas zappelig oder machte von alleine einen Schritt da er wirklich gerne beschäftigt werden wollte. Ich finde es immer so schön wenn auch die alten Tiere trotz gesundheitlicher Einschränkungen noch so viel Spaß am Tun haben und beschäftigt werden wollen, ähnlich wie mein Pflegepferd Iris zu Hause. 

Bis zur Mittagspause machte ich mich ans Unkraut, was übrigens dank der Regengüsse schon wieder nach-sprießt *danke nicht* und als uns dann der nächste Regen überkam machte ich mich wie gesagt an den Bericht über heute. Als sei nichts gewesen, ein paar Stunden später strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und zwitschernde Vögel :D Ich holte Fardon, den Spanier den Ellen die Tage geritten ist, putzte und sattelte ihn meines Wissens nach für sie, gemeinsam mit Ellen's Schülerin und Morante ging es zum Platz und dann gab Ellen mir im letzten Moment zu verstehen das nicht sie sondern ich aufsteigen würde. Klingt unspektakulär ich weiß, aber ich habe mich die ganze Zeit schon darauf gefreut und war aufgeregt endlich mal wieder im Sattel zu sitzen. Reiten zu lernen, so dass es sich auch endlich mal gut anfühlt - für Reiter und Pferd!

Nun ja und was soll ich sagen, ich hatte meine Füße wirklich eine Ewigkeit nicht mehr in Steigbügeln! :D Zu Beginn fühlte sich alles komplett verdreht an, als sei ich ein Fremdkörper in meinem eigenen Körper?! Bein lang, Absatz tief, Fußspitze gerade aus, Sitzhöcker spüren, Hände tragen.. mannoman überfordert war ich die ersten Minuten definitiv, aber Fardon trug mich so ruhig und geduldig über den Platz wie weder Ellen noch ich es gedacht hatten. Er hat eigentlich nämlich noch einen sehr impulsiven und Energischen Schritt sowie Trab, unter mir schien er meine Überforderung aber zu spüren und schritt tiefen entspannt über den Platz. Einen besseren Lehrmeister hätte ich glaube ich heute fast nicht haben können, da er mir dann auch noch das Gefühl von Schenkelweichen und seitwärts gehen zeigte. Er kennt die Signale, reagiert exakt aufs Gewicht daher musste (und konnte ;)) ich kaum etwas machen und er schritt dahin - vorwärts seitwärts. Ich konnte fühlen wie es sich richtig und doch nicht ganz richtig anfühlt, wann ich welche Hilfen aktivieren muss, wo mehr wo weniger muss.

Was für mich ein Riesen Umdenken gleich zu Beginn bedeutete, war der Einsatz des Gewichts. Normalerweise und so wie ich Reiten gelernt habe, lege ich zum nach rechts gehen mein Gewicht in das linke Bein mit dem ich am Pferdebauch Druck ausübe. Dazu noch am rechten Zügel „ziehen“ und fertig. Das das nicht alles ist war mir natürlich klar, aber wie gesagt das war mein Reitunterricht bisher. Heute hieß es, das rechte Bein zeigt die Richtung indem ich mein Gewicht dorthinein lege, es lang mache und leichten Druck mit dem linken Bein ausübe. Die Zügel brauche ich dafür schon mal gar nicht, eher die Drehung meines Oberkörpers und der Schultern nach rechts. 

Ich war wirklich blutiger Anfänger, als hätte es die 8 Jahre Reitunterricht gar nicht gegeben, aber ich habe mich noch nie so gut als blutiger Anfänger gefühlt. Denn wenn man es fühlt und begreift, nur wenig machen zu müssen, funktioniert es auch ganz leicht - zu mindestens mit meinem Lehrer Fardon… (Fortsetzung folgt)

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