• Sara

Schreckhaftigkeit - Allgemeines

(...) Ein Pferd ist ein Fluchttier. Das bedeutet dass es in einer bedrohlichen Situation nicht als erste Reaktion in die Konfrontation geht, sondern bevorzugt, den Raum und eine Distanz zum Feind zu gewinnen. Warum ist das so? 

Das Fluchtverhalten ist auf die evolutionäre Entwicklung des Pferdes zurück zu führen. Das kleine, im Wald lebende Eohippus (vor 55-35 Millionen Jahren) konnte sich leicht und schnell vor Feinden im Gestrüpp verstecken, eine Flucht durch die tief wachsenden Pflanzen wäre dort sehr umständlich gewesen. Durch klimatische Veränderungen zogen sie auf die großen weiten Steppen. Möglichkeiten sich zu verstecken, gab es hier zunächst keine. Es ergab sich eine neue Möglichkeit: die Flucht. Die Pferde wuchsen um auf der weiten Fläche einen besseren Überblick zu erhalten und die 3-4 Zehen bildeten sich zu einer einzigen Zehe zurück. Dieser Huf ermöglichte eine deutlich höhere Geschwindigkeit und somit die Flucht. Der Ur-Instinkt der Flucht, ist auch heute noch tief in den Pferden verankert. Dieser Instinkt setzt aber nicht nur bei einen angreifenden Feind ein. Heute wie damals wird das Pferd auch mit Situationen konfrontiert die eine blitzschnelle Reaktion mit der größten Überlebenschance fordern. Das kann im Umgang unter Artgenossen sein, beispielsweise wenn fremde Tiere aufeinander treffen und sich kennenlernen, in Situationen wo die Rangordnung innerhalb einer Herde oder Gruppe geklärt werden muss, sowie in der Konfrontation mit dem Menschen im ganz normalen Alltag. Wird ein Pferd mit etwas konfrontiert was es nicht kennt und es daher auf keine Erfahrung zurückgreifen kann, oder bereits schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, wurden vier verschiedene Reaktionsmöglichkeiten beobachtet: die vier F’s. Hierbei handelt es sich um vier Verhaltensstrategien mit den englischen Namen Flight = Flucht, Flirt = Kommunikation, Freeze = Erstarren und Fight = Kampf.



Verhaltensstratgien bei Angst:

Über die Flucht wurde nun schon ausführlich gesprochen. Sie ist die häufigste und natürlichste Reaktion eines Pferdes auf eine unangenehme Situation. 

In die Kommunikation gehen Pferde in der Regel mit einem guten Selbstbewusstsein und der Erfahrung, dass es sich lohnt einen genaueren Blick hinzuwerfen. Sie haben in der Regel gelernt an der Seite des Menschen nicht gefressen zu werden. Wenn ein Pferd also in die Kommunikation tritt, dass heißt, seine Aufmerksamkeit der Bedrohung zuwendet, es anschaut, hinhört, beobachtet, vielleicht sogar einen Schritt darauf zumacht, dann ist dies ein großer Schritt für ein Pferd und ein großer Vertrauensbeweis. Sieht man nun wiederum ein Pferd, welches wie erstarrt da steht, dessen Atmung sich verändert, das eventuell geblähte Nüstern und weit aufgerissene Augen hat, dann fühlt es sich keineswegs wohl, sondern erstarrt ganz nach dem Prinzip, wenn ich dich nicht sehe, siehst auch du mich nicht. Es ist eine Panik-Reaktion in der ein Lebewesen nicht mal mehr in der Lage ist, sich zu bewegen oder zu sprechen. Vermittelt werden solche Reaktionen, wie beispielsweise eine Schockstarre, durch das sympathische Nervensystem (Sympathicus).


Wie entsteht also Angst und eine folgliche Schockstarre im Körper?

Es beginnt damit, das die Sinnesorgane eine Information aufnehmen. Wir sehen, hören, riechen, spüren oder schmecken etwas und diese Wahrnehmung wird an das Gehirn weitergeleitet. Aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit, kann die Großhirnrinde, genauer gesagt das limbische System, die Reize interpretieren und im Falle der Angst wird die Wahrnehmung als gefährlich bis lebensgefährlich interpretiert. Zu dem limbischen System gehören mehrere Teile des Großhirns und des Zwischenhirns, u.a. der Hippocampus und der Mandelkern (Amygdala) in der Hirnrinde und dem angrenzendensubkortikalen Marklager. Es liefert die emotionale Bewertung der Information und gibt diese wiederum an das Langzeitgedächtnis weiter. 


„Der Hippocampus und die Amygdala (Mandelkern) veranlassen nun den Hypothalamus die entsprechende körperliche Reaktion auszulösen. Der Hypothalamus ist das übergeordnete Zentrum des vegetativen Nervensystems und durch die Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol und Kortison, aktiviert er das Sympathische und Parasymphatische Nervensystem.“ (6)

„Körperliche Veränderungen, die das sympathische Nervensystem hervorrufen, sind zum Beispiel: 

- eine erhöhte Herzschlagfrequenz, 

- ansteigender Blutdruck, 

- die Skelettmuskeln werden stärker durchblutet und spannen sich an, sodass wir bereit - zum Kampf oder zur Flucht sind, 

- die Bronchien erweitern sich,

- die Atemfrequenz erhöht sich, 

- die Pupillen erweitern sich um das Sehfeld zu vergrößern, 

- die Körpertemperatur steigt an, 

- man ist hellwach und erregt." 

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