• Sara

Schreckhaftigkeit - Gitano

(...) Das größte Problem, das mir zu Beginn über Gitano bekannt war, war seine Schreckhaftigkeit. Als seine Besitzerin ihn gekauft hatte, war es so schlimm, dass man ihn nicht alleine führen konnte und sowieso am Besten alles zu zweit machte. Mittlerweile waren alltägliche Dinge wie Anbinden, Hufe geben und Führen kein Problem, dennoch war Gitano für seine urplötzlichen Fluchtversuche bekannt. Hierbei handelte es sich nicht bloß um weitverbreitete Probleme, wie Traktoren, Fahrräder, Gerte, Kinderwagen, etc., laute Geräusche und starken Wind. Jeder Gegenstand und jede Forderung die Gitano noch nicht kennt, bedeutet erst einmal eine Gefahr für ihn. 

Vor einem Gegenstand den er nicht kennt, oder mit dem er schlechte Erfahrungen gemacht hat, weicht er zunächst hastig zurück. Oft prustend und mit geblähten Nüstern. Wenn man wiederum eine Bewegung oder Übung von ihm fordert, ob am Boden oder im Sattel, die er noch nicht kennt, wird er zappelig und hektisch, beginnt auf dem Gebiss zu kauen (wenn er denn eines anhat), steigert sich förmlich in seine Erregung herein und tritt sich beinahe selbst auf die Füße. Von Neuem fühlt sich Gitano sehr bedroht und seine erste Reaktion ist die Flucht. Keine Konfrontation, keine Kommunikation, sondern „ich will das nicht“ und „ich muss hier weg“. Doch man kann mittlerweile ein Umdenken und eine Veränderung in seinem Verhalten erkennen. Er beginnt nachzudenken. Nach wenigen Minuten kommt er in der Regel aus der kopflosen, instinktiven Flucht-Reaktion heraus und beschäftigt sich mit dem Gegebenen. Das ist vor allem der großartigen Reaktion seiner Besitzerin zu verdanken, welche ihn in den letzten Monaten nie für ein Erschrecken bestrafte sondern steht’s die Ruhe bewahrte und ihn, nach dem er sich beruhigt hatte, zu der vermeintlichen Gefahr brachte und sie die Situation gemeinsam bewältigten. Die Devise lautete steht’s: „Da ist etwas gruseliges? Dann gehen wir hin und schauen es uns an.“



Gitano hat mit Susanne und mir, zwei Bezugspersonen, denen er mittlerweile nach vielen Monaten vertraut. Demnach hat er den Mut bei einer Gefahrensituation genauer hinzusehen, anstatt direkt die Flucht zu ergreifen. Auf sich allein gestellt ist es viel zu gefährlich für ein Pferd mutig zu sein.  Doch hat es einen vertrauenswürdigen Partner an seiner Seite (ob Mensch oder Pferd), welcher in der vermeintlichen Gefahrensituation keinerlei Unsicherheit zeigt und Ruhe ausstrahlt, überträgt sich diese Energie automatisch auf das Pferd. Mit dieser Gegebenheit kann ein Pferd gegen seinen Flucht-Instinkt standhaft bleiben oder zumindest wird sich dieser nur in gemilderter Form zeigen und das Pferd tritt in die Kommunikation. Gitano hat das Prozedere verinnerlicht, dass nachdem er sich erschreckt hat, sich im Anschluss mit genau dieser Sache beschäftigen soll.


Handelt es sich um eine Bewegung die man von ihm fordert, beispielsweise das Weichen auf physischen

Druck (Berührung mit der Hand) an der Schulter oder Hinterhand, neigt er nicht nur dazu nach vorne weg zu rennen um der Situation zu entkommen. Ganz im Gegenteil, er neigt auch dazu sich überhaupt nicht mehr zu bewegen oder zu reagieren. Jedoch nur bis es ihm irgendwann zu viel wird und er seinen Unmut durch Schnappen oder einen Tritt äußert. Doch auch das gehört mittlerweile der Vergangenheit an, da wir es gar nicht mehr soweit kommen lassen. 

Einen Trick oder eine Übung wie man einem Pferd zu gelasseneren Reaktionen verhilft gibt es allerdings nicht. Den einzigen Trick den es meiner Erfahrung nach gibt, ist es, seine innere Einstellung zu ändern. Schwirren dem Menschen steht’s die Fragen im Kopf herum ob das Pferd nicht kann, nicht will, oder nicht versteht, ist auch der Mensch unsicher und kann gar  nicht mit klarer Vorstellung fordern. Es ist sicherlich wichtig sich Gedanken über diese drei Optionen, zu machen, doch im Grunde ändert sich nicht viel am korrekten Verhalten des Menschen, wenn man eine Antwort auf diese Fragen gefunden hat.


Mein Fazit:

Ist ein Pferd unsicher, erschrocken oder steigert sich womöglich in Unwohlsein herein, ist es wichtig die Ruhe zu bewahren und wie ich immer sage „den längeren Atem zu haben". Die innere Einstellung und eigene Energie sollte steht’s positiv sein, optimistisch, Ja-sagend, einladend und vor allem klar. In dem Umgang mit einem Tier ist es sehr wichtig seine eigenen Emotionen und Gedanken im Griff zu haben. Beeinflussen diese unsere Stimmung und unser Handeln unterbewusst nämlich zu stark, verwirrt das die Pferde nur unnötig. Um einem Pferd wie Gitano eine Bewegung, wie das Weichen auf Druck beizubringen, benötigt es einen Fokus, eine klare Vorstellung von dem was passieren soll. Gelingen kann das durch Ruhe, Geduld und exaktes Timing. Bei Pferden wie Gitano ist es wichtig nicht zu viel zu verlangen, sondern in kleinen Schritten zu denken, da sie sich selbst schon in der Regel in eine Situation hinein steigern und schnell überfordert sind. Jede kleinste Gewichtsverlagerung ist zu Beginn schon ein Erfolg!

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