• Sara

Und wer fragt das Pferd?

Ein groß gewachsener, gut bemuskelter Friese, sein schwarzes Fell glänzt magisch. Er wirft seinen eleganten Hals in die Luft und seine lange, wellige Mähne hebt vom Wind getragen ab. Er scheint gerade zu majestätisch dahin zu schweben, wie er seine langen Beine nacheinander im Takt bewegt. Daneben ein Haflinger, so wie wir ihn kennen und lieben: die Frechheit und Neugierde, aber auch den starken Willen, sieht man ihm schon an der Nasenspitze an. Ein kleiner Spanier, dessen weißes Fell mehr und mehr von braunen und schwarzen Tupfen überzogen ist. Er ist zwar deutlich kleiner und kompakter als der Friese, doch auch hinter seinen Bewegungen stecken eine unglaubliche Eleganz und Anmut. Dazu gesellen sich noch zwei Warmblüter. Das eine kastanienbraun, das andere fuchsrot. Auch sie wissen genau ihre langen Beinen im richtigen Takt zum Tanz einzusetzen. Fünf Pferde, unterschiedlicher als sie nicht sein könnten und doch haben sie alle etwas gemein: Sie inspirieren und bezaubern den Menschen mit ihrer Anmut und Eleganz. Pferde, haben etwas an sich - eine Tiefgründigkeit und gegenüberstehend auch eine ganze simple Seite. Sie, wollen einzig und allein, leben.

by Mia Pflieger

Na, bist du auch in eine kleine Märchenwelt versunken? Konntest du alle fünf Pferde vor deinem inneren Auge sehen, auf einer großen weiten Wiese frei lebend und ihren Bedürfnissen freien Lauf lassend?


Da muss ich dich leider enttäuschen, willkommen in der Realität: Leider befinden wir uns in dieser Gedankenreise nicht in der freien Natur, sondern in einer Reithalle. Die Zeitlupe und Magie brechen plötzlich ab und es geht in Echtzeit weiter: fünf Pferde werden in einer Halle geritten, tummeln sich umeinander und es liegt eine gewisse Hektik in der Luft. Hinter manch einer Fassade und manchen Augen ist diese Eleganz die wir uns eben vorgestellt haben noch zu erkennen, doch mache der fünf Pferde steht die reine Arbeit ins Gesicht geschrieben. Die Pferde werden in einen Raum gezwängt, in dem sie sich offensichtlich nicht wohl fühlen: sie sehen kaum etwas, die Luft wird ihnen knapp und die Nase liegt beinahe auf der Brust auf. Der Mensch oben drauf, versucht sein Bestes das Pferd nicht aus der Balance zu bringen, doch ganz gelingen tut es ihm nicht. Manche Pferde bemühen sich mitzumachen, geben ihr Bestes, doch es reicht oft nicht. Andere wiederum verstummen ganz unter den Aufgaben die Ihnen aufgetan werden.


Nein, das soll kein Bericht über die katastrophale Reiterwelt werden, denn auch ich, liebe es zu reiten. Freiheit, Anmut und Eleganz sind es, die uns an unseren Pferde so faszinieren, die wir auch spüren wollen. Deshalb reiten wir unsere Pferde. Ist das egoistisch? Klar, irgendwie schon. Und genau das ist auch das Schwierige an der ganzen Reiterei. Spult man die ganze Evolutionsgeschichte mal zurück, ist es mehr als offensichtlich, dass Pferde nicht dazu da sind um geritten zu werden. Diese Freiheit, hat sich der Mensch einfach irgendwann heraus genommen. Und ja, eigentlich ist das auch heute immer noch kein Grund Pferde zu reiten. Aber die Welt hat sich verändert. Die Lebensumstände der Pferde haben sich verändert. Was würde mit ihnen geschehen wenn sie nicht unter Menschenhand leben würden? Da es nicht mehr genug Platz auf der Welt für sie gibt um sie in Freiheit leben zu lassen, würden sie wohl gar nicht mehr leben. Ist das die Berechtigung dafür Pferde zu reiten? Nein, ich denke nicht. Aber, ein Pferd in dem Ausmaß am Boden zu bewegen, wie man es im Sattel tun kann und vor allem die Wegstrecke, die man im Trab und Galopp zurücklegen kann, ist am Boden wohl utopisch aufzuholen. Zumindest in der heutigen Zeit. Ist das eine Rechtfertigung? Nein, eigentlich immer noch nicht. Aber nun lebt das Pferd nun mal unter Menschenhand und das lässt sich wohl auch kaum wieder ändern. Wenn man das ganze also den Bedürfnissen und individuellen Zügen eines Pferdes anpasst, wird das Reiten zu einer Option.


Eine Option. Das ist es. Hier liegt aber schon der nächste Knackpunkt. Reiten eine Option? Nene, das ist doch längst die Hauptbeschäftigung geworden. Was ich sonst mit dem Pferd machen soll? Spazieren, Longieren, Bodenarbeit? Ne das ist doch langweilig..

Ich finde es schlicht weg absurd, wie Menschen immer noch davon ausgehen, Reiten sei die erste und bevorzugte Beschäftigung mit und vor allem auch, für das Pferd (wenn wir heute schon mal so weit sind dass an das, was das Pferd wollen könnte, gedacht wird).

Was soll es denn sonst sein, wenn nicht absurd, dass wir uns unsere eigenen Träume und Fantasien von Pferden wie oben beschrieben kaputt machen, indem wir dauernd den Sattel drauf schmeißen und davon ausgehen, dass das Pferd genau das machen will.

by Mia Pflieger

Keine Frage, Reiten gehört mittlerweile dazu und wenn man es richtig angeht, schadet es unseren heutigen Pferden auch nicht. Ja, Pferde können auch ernsthafte Freude daran entwickeln, so wie an jeder anderen Beschäftigung aber auch.

Das Gefühl, das uns Pferde auf ihren Rücken schenken ist unvergleichlich und auch ich möchte es nicht missen. Aber wenn ich höre, dass ein Pony dass immer wieder krank war und lahm geht, die Ursache nie genau gefunden oder behoben werden konnte (hier klingeln für mich schon genug Alarmglocken???), nun endlich wieder geritten wird und wie schön das doch ist, frage ich mich ehrlich: Und wer fragt das Pferd?

Natürlich kann es sich darüber freuen und daran gefallen finden. Es kann aber auch sein, dass es gar nicht mal so viel von dieser tollen Idee hält.

Woran ich also appellieren möchte: Reiten, ist eine Option. Und ja, euer Pferd sollte bei der gemeinsamen Beschäftigung Mitspracherecht haben. Reiten, ist nicht das Maß aller Dinge und es muss nicht immer die erste Wahl sein.


Es gibt da draußen fantastische Reiter und Pferde die wirklich ihren Spaß daran gefunden haben, aber, es ist und bleibt eine Option. Pferde sind nicht zum reiten gemacht also muss es ihnen auch keinen Spaß machen.

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