• Sara

Wie gewinnt man das Vertrauen eines Pferdes

Vor ein paar Tagen fragte mich eine Freundin im Stall, ob ich ihr wohl helfen könnte, dass ihr Pflegepferd wieder mehr Vertrauen zu ihr gewinnt. Sie war für eine längere Zeit nicht mehr bei ihm und nun würde er sich so fremd anfühlen… Na klar! - dachte ich mir - aber wie eigentlich? 

Wie gewinnt man das Vertrauen eines Pferdes? Es gibt schließlich keine 3 goldenen Regeln die man einhalten muss, keine 4 Übungen die man durchführen muss und kein Lehrbuch mit einer Schritt-für-Schritt Anleitung mit deren Hilfe - schwups  - das Vertrauen da ist. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie Iris (mein Pflegepferd) und ich an den Punkt gelangt sind an dem ich sagen kann, das definitiv Vertrauen zwischen uns herrscht und dieses immer größer wird. Doch wie haben wir das geschafft? Was schafft Vertrauen?

Ich denke, das es keines Wegs anders ist das Vertrauen eines Tieres zu gewinnen, als das eines Menschen. Meiner Meinung sind zwei Dinge ganz entscheidend:



1. EINE GEMEINSAME SPRACHE

Ich fragte mich, wann ich einem Menschen vertraue.

Ich vertraue, wenn ich jemanden kenne. Wenn ich mit jemandem kommunizieren und jemanden einschätzen kann. Jemand, bei dem ich nie weiß was in seinem Kopf vorgeht, was ihn bewegt, was er wohl als nächstes tun könnte, wie er denkt - bei dem kann ich mich doch nur schwer sicher fühlen. Was Sicherheit mit Vertrauen zu tun hat? Eine ganze Menge meiner Meinung nach:  Ich fühle mich bei einem Menschen sicher, wenn ich weiß das ich ihm vertrauen kann. Ich vertraue einem Menschen, wenn ich weiß das ich mich bei ihm sicher fühlen kann. Ich muss also zunächst einmal einen Weg finden, mich mit meinem Gegenüber zu verständigen. Ich spreche dabei nicht unbedingt von einer jahrelangen Freundschaft -

Vertrauen wächst in den Momenten, in denen das Bauchgefühl Ja sagt.

Wie unterschiedlich eine gemeinsame Sprache aber sein kann, habe ich in einem ganz anderen Lebensbereich, meiner Arbeit im Hospiz, erfahren: 

Ich habe dort einen Menschen kennen gelernt, der auf meine Hilfe und die meiner Kollegen angewiesen ist. Er spricht kein Deutsch und kann vermutlich krankheitsbedingt sowieso kaum sprechen. Da wir aber zusammen mit ihm arbeiten und leben, mussten wir einen Weg finden mit ihm zu kommunizieren. Anfangs war es sehr anstrengend und schwer für alle Beteiligten, da man sich einfach nicht verständigen konnte. Man fühlte sich immer etwas unwohl, da man nie wusste was in diesem Menschen vor sich geht. Jetzt allerdings, haben wir viel Spaß zusammen, können Lachen und uns auch gewissermaßen unterhalten, obwohl er nach wie vor kein Wort spricht. 

Was ich damit sagen möchte ist, es gibt so viele verschiedene Arten zu kommunizieren und sich zu verständigen, das verlieren wir Menschen nur manchmal aus den Augen. Wir verlieren es aus den Augen, weil es die Regel ist das man sich mit Worten und Gesten die der andere kennt, verständigen kann. Eine Sprache jedoch, muss nicht aus Wörtern bestehen. Und so ist es die Körpersprache und emotionale Ebene, über die wir uns mit Tieren, speziell Pferden, verständigen können.

Ich weiß, wann es Iris gut geht und wann es ihr schlecht geht. Ich sehe, wenn sie etwas toll findet oder es ihr überhaupt nicht gefällt. Ich spüre, wann sie Angst hat und wann sie neugierig ist. Und genau so ist es auch anders herum. Iris kennt mich mittlerweile ziemlich gut. Sie kann mein Verhalten einschätzen und weiß, das ich ihr nie absichtlich schaden würde. Das schafft Vertrauen.


2. GEFÜHL

Ich nenne es Gefühl, weil es nichts sichtbares ist. Hierbei geht es um innere Bilder, Gedanken, Motivation und Stärke. Das wirklich Schwierige und Langwierige daran ist, das man es nicht durch Bücher lesen lernen kann. Man muss lernen zu fühlen.

Wer sich in sein Pferd hinein fühlt, sich ihm voll und ganz öffnet, dem öffnet sich auch das Pferd mit der Zeit. 

Innere Bilder, erleichtern es uns, Pläne und Gedanken an die Pferde weiter zu geben, da sich unsere Körpersprache automatisch und unbewusst verändert, wenn wir uns auf etwas konzentrieren. 

Wer mit schlechter Laune und zerstreuten Gedanken zu seinem Pferd kommt, kann im Grunde gleich wieder fahren. Diese innere Unruhe und Anspannung überträgt sich auf die Pferde, da sie unsere veränderte Körpersprache wahrnehmen. Wir Menschen lassen uns nun mal von unseren Gefühlen leiten und lassen diese dann manchmal leider auch an den falschen, unbewusst aus. Das ist absolut kontraproduktiv für ein Pferd, welches dir vertrauen soll. 

Es ist wie im alltäglichen Leben, wer mit einer Einstellung „Das wird sowieso nichts“, an Neues herangeht, prophezeit schon ein Misslingen. Wer allerdings sagt „Komm, das wird toll!“ gewinnt Neugierde und Interesse des Gegenüber. 

Kraft hingegen, ist nicht im Sinne von körperlicher Stärke und Dominanz zu verstehen. Wer Sicherheit ausstrahlt, mit beiden Beinen fest am Boden steht und sich emotional in Andere hinein versetzen kann, dem schließt sich ein Anderer gerne an. 

Doch was ist nun der erste Schritt? Die gemeinsame Sprache oder eine gemeinsame Gefühlsebene? Ehrlich gesagt, ist das Eine nicht von dem Anderen zu trennen. Sie entwickeln sich gegenseitig und miteinander. 

Wie und wann vertraust du? 

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