• Sara

Zu viel Hand

2. Tag (26.05.)

Frühstück um halb neun, da bin ich nun wirklich anderes gewohnt. Nachdem es bei meinem anderen „Working Student“ Verhältnis im Sommer 2017 von 7-19 Uhr einen hammer harten 12h Tag gab (was nicht mal negativ gemeint ist), scheint hier die Uhr anders zu ticken. Als würde die Zeit stehen bleiben, oder einfach keine Rolle spielen. Ruhe, Entspannung, Leichtigkeit und Zufriedenheit liegen in der Luft.

Heute morgen habe ich dabei zu gesehen, wie Ellen einer Bekannten auf ihrem Viento (=Wind) Unterricht gab. Da ich zu Hause momentan ja gar nicht reite (und wenn doch nur einen Ausritt mit Iris ohne irgendetwas anderes erreichen zu wollen als das sie nicht über ihre eigenen Füße fällt) freue ich mich wirklich sehr darauf hier wieder ans Reiten heran geführt zu werden. Ein Reiten über Leichtigkeit, Timing, und klare, feine Signale. Hier dienen die Zügel und das Gebiss nicht dazu ein Pferd zu lenken oder zu kontrollieren, festzuhalten oder ähnliches. Sie geben dem Pferd einen Rahmen. Es wird gymnastikzierend, lösend und dehnend geritten. Wie genau das ausschaut werde ich in den nächsten Tagen sicherlich auf Video festhalten können. Es gelten die Mottos „Weniger ist mehr“ und „Lieber langsam und richtig als schnell und falsch“. Die Signale sind so fein und klein das ich echt genau hinschauen musste um irgendwas zu erkennen. Es sieht einfach nur leicht und wunderschön aus. Harmonie zwischen Pferd und Reiter, die sich genau verstehen. Im Anschluss daran bin dann auch ich dran gewesen, allerdings begannen wir vom Boden. Mit Django (5 jährig) übte ich unter Ellen’s Anweisung erst mal ganz banal das Führen. Aber was heißt ganz banal, das Führen, die Führposition, ist wirklich die Basis. Ein Kennenlernen, das Klären von Grenzen und das Erarbeiten einer Kommunikation. Auch hier wird schon Konzentration und Selbstbeherrschung verlangt. Es geht um Konsequenz und exaktes Timing. Und das muss auch ich noch lernen. Wann belohne ich, wann mache ich Pause, wie lange mache ich Pause?

Gleich heute ist eine Riesen Sache bei mir aufgefallen, die ich überhaupt nicht bewusst war genommen habe, bzw mir nicht bewusst war, was ich damit bezwecke. Beim alleinigen Losgehen und Anhalten gebe ich zu viele, sich widersprechende Signale gleichzeitig. Natürlich kann ich trotzdem Pferde führen, das konnte ich zu Hause auch schon. Ich kann sie von A nach B und nach etwas Zeit auch rückwärts, seitwärts und sonst wohin führen. Aber es geht um das WIE, wie ist die Kommunikation? Es geht feiner, weniger. Pferde achten auf jede kleinste Bewegung und vor allem, worüber ich nie nachgedacht habe, Pferde fassen sich nicht die ganze Zeit an…

Was bei mir also aufgefallen ist: Ich hebe ständig die Hand am Pferd in der das Seil liegt. Vor, zurück, rechts, links. Ich ziehe nicht so stark so das das Seil auf Spannung kommt, aber es ist eine permanente Bewegung. Mal ganz abgesehen davon das man das Pferd dadurch irgendwann auf die Hand desensibilisiert, sodass es nicht mehr reagiert, ist es einfach nicht notwendig. Klare, feine, präzise Signale über den Körper an sich und das Pferd versteht. Nachdem Ellen mich jedes Mal darauf hingewiesen und mich korrigiert hat, sitzt das nun. Es sind vermeintliche Kleinigkeiten, die so viel in der Kommunikation verfeinern und verändern können! Nachdem ich mit zwei ihrer anderen Pferde das selbe geübt habe und sogar noch an die Seitengänge heran gegangen bin, waren wir mit den Pferden fertig für heute. Kurze Trainingseinheiten, die dann aber auch intensiv sind und sitzen. 

Morgen fahren wir auf eine französische Pferde Show, mal sehen wer und was mich da so erwartet.. (Fortsetzung folgt)

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